Interview zu Lacita

ich freue mich, heute ein Interview mit Herrn Schumacher präsentieren zu können. Wie ich im voherigen Artikel schon andeutete, interessiere ich mich sehr für das Projekt “LaCita”. Es freut mich umso mehr, dass dieses Interview geklappt hat. Um noch ein paar Vorinfos zu bekommen könnt ihr noch meinen letzten Artikel lesen. Zu Lacita kommt ihr indem ihr auf den Link klickt oder im Browser “lacita.org” eingebt. Nun aber zum Interview:

 

Hallo Herr Schumacher, Vielen Dank für Ihre Bereitschaft für ein Interview. Heute wird es vor allem um Ihr Projekt „LaCita“ gehen. Doch bevor wir dazu kommen, stellen Sie sich doch einmal selbst ein wenig vor.

Ich bin Baujahr 59 und programmiere schon seit über 30 Jahren zum Teil Projekte für mich selbst aber auch für große weltweit agierende Banken, Versicherungen und Unternehmensberatungen. Vor einigen Jahren habe ich dieser “professionellen” Welt allerdings den Rücken gekehrt und arbeite seit dem ausschließlich auf eigene Faust nur noch an Projekten, die mich selbst interessieren und die mir vor allen Dingen Spaß machen.

Bereits vor vielen Jahren habe ich begonnen mein eigenes Content-Management-System (CMS) zu programmieren, mit dem man Web-Projekte sehr effektiv und schnell implementieren kann. LaCita.org ist dabei eines von vielen, die mit meinem CMS verwirklicht wurden. Als zweites Standbein betreibe ich noch ein Geschäft für Folienbeschriftung – also eher etwas handwerkliches.

Vor kurzem haben Sie das Projekt LaCita ins Leben gerufen. Können Sie beschreiben, um was es da geht?

Der Name LaCita hat im Laufe seiner Geschichte seine Bestimmung gewandelt. „Lacita“ ist ein spanisches Wort und bedeutet „die Verabredung“ oder „der Termin“.

Dann entdeckte ich vor gut 2 Jahren QR-Codes und beschäftigte mich damit. Die Folge war, das ich das Projekt QR-Shop.de ins Leben rief. Hier können QR-Codes generiert und gestaltet werden. Außerdem kann man QR-Codes mit einer kleinen kostenlosen Webseite verbinden, die angezeigt wird, wenn man den QR-Code scannt.

Ja und danach entdeckte ich die Möglichkeit mittels Geolocation und Google Maps Webseiten mit einer Lifekarte auszustatten. Ab da liefen alle Fäden für das jetzige LaCita zusammen. Ich entdeckte, das die Kombination QR-Code und GPS-Koordinate ein fast unerschöpfliches Potential an Einsatzmöglichkeiten haben. (Ein QR-Code beinhaltet Informationen und hat eine Position auf dem Planeten) Ich nenne diese Kombination ganz abstrakt gesehen „LaCita“. Mit der LaCita-Technologie habe ich auch andere Portale ausgestattet um positionsbezogene Informationen über das Web zu vermitteln.

Zuerst war Geocaching, dann Munzee und danach soll LaCita kommen. Geocaching ist das reale verstecken und finden von Dosen. Munzee ist das reale verstecken und finden von QR-Codes. LaCita soll viel mehr sein – nämlich ein soziales Netzwerk, das QR-Codes benutzt um sich ortsgebundene Informationen zukommen zu lassen.

Die Suche und das loggen von QR-Codes ist einigen schon vom Anbieter „Munzee“ bekannt. Wie unterscheidet Sich Ihr Projekt von Munzee und wieso sollten „Schatzsucher“ ihren Service nutzen?

Wie bereits in der vorherigen Antwort angedeutet sehe ich viel mehr Potential in den ortsgebundenen Informationen und den damit verbundenen sozialen Kontakten als in der reinen Schatzsuche.

Was Munzee noch nicht hat sind Trackables. Das sind LaCitas, die ständig ihre Position verändern. Trackable LaCitas wandern immer zu dem Ort an dem sie gescannt werden. Im Prinzip sind das wandernde – also nicht ortsgebundene Informationen.

Dann hat LaCita noch ortsgebundene Informationen, die man nur dann einsehen kann, wenn man sich physisch an dem Ort befindet (Nahfeld-LaCitas / der Marker auf der Google Map erscheint nur wenn man in deren Nähe der kommt)

LaCita kann alle Texte mit Hilfe von Google-Translate in viele Sprachen übersetzen.

Sie sind auch als Geocacher unterwegs. Was hat Sie also dazu bewogen, LaCita ins Leben zu rufen?

Ich bin nicht nur Geocacher (bonnfoto) sondern ich scanne auch aktiv Munzee’s ebenfalls mit dem Usernamen bonnfoto.

LaCita ist im Prinzip das Ergebnis meiner technischen Neugier und meinem Wunsch immer neue Ideen zu entwickeln um damit einen Teil meines Lebensunterhaltes bestreiten zu können.

Was muss man tun, um einen LaCita zu loggen?

Als technische Voraussetzung benötigt man ein webfähiges Endgerät mit GPS, das einen Browser hat, der Geolocation beherrscht und eine Kamera, die QR-Codes scannen kann.

Dann benötigt man einen bestätigten Account bei http://www.lacita.org und man muss dem Browser erlauben das GPS-Signal an meine Webseite weiter zu geben.

Zum Schluss benötigt man ein LaCita, das jemand anderes auf lacita.org veröffentlicht hat.

Wenn man sich physisch in der Nähe des LaCitas befindet kann man es durch einscannen loggen. (Virtuelle LaCitas muss man nicht scannen. Man kann sie durch Klick auf einen Button auf der Info-Seite zum LaCita loggen)

Was muss man tun, um einen LaCita zu legen?

Es gibt prinzipiell zwei verschiedene Typen von LaCitas. Der eine Typ benötigt einen QR-Code. Der andere kommt ohne aus. Beim letzteren handelt es sich um die sogenannten virtuellen LaCitas.

Ein virtuelles LaCita legt man einfach indem man auf der Kartenansicht unten auf das Briefsymbol klickt. Es geht eine Seite auf, auf der man die Informationen zum virtuellen LaCita (vorläufig) eingibt. Vorläufig deswegen, weil man das in der Regel mit dem mobilen Device macht und weil die Möglichkeiten dort noch sehr eingeschränkt sind. Zuhause auf dem PC kann man die Information dann noch bei Bedarf multimedial anreichern und ausformulieren.

Für die Position des virtuellen LaCitas wird der Standort an dem man sich aktuell befindet angenommen. Man kann auf der eingeblendeten Karte das LaCita allerdings an jeden beliebigen Ort auf der Erde verschieben. Man muss selbst also nicht reisen um ortsgebundene Informationen zu legen. Nur Derjenige der scannen möchte muss an die Stelle wo das LaCita liegt.

Alle anderen LaCita-Typen müssen real als QR-Code vorliegen und irgendwo angebracht sein. Man kann sich einen Vorrat an LaCitas unter dem Menüpunkt „LaCitas“ generieren lassen. Über die Browser Druck-Funktion werden die QR-Codes zu Papier gebracht (unbedingt „mit Hintergrundbild drucken“ im Browser einstellen ). Man kann hier verschiedene Designs auswählen. Diese Designs sind nicht an einen bestimmten LaCita-Typ gebunden. Man kann nehmen was einem gefällt. Weitere Designs sind möglich können von Usern vorgeschlagen werden.

Dieser gedruckte Vorrat an LaCitas ist nicht an die Person gebunden, die sie gedruckt hat. Man kann sie durchaus an andere weiter geben. Die Zuordnung zu einem User und der Typ des LaCitas wird von dem bestimmt, der den Code als erster scannt. Dabei kann er den Typ festlegen und ebenfalls die Web-Information vorläufig festlegen. Auch hier kann zuhause am PC nachgebessert werden.

Schon jetzt gibt es einige unterschiedliche Arten von Lacitas. Können Sie diese erklären?

Wie bereits in der vorherigen Frage angedeutet wird der Typ und damit das Verhalten des LaCitas beim ersten scannen festgelegt. Der Typ des LaCitas kann in der Regel nachher NICHT mehr verändert werden.

Zur Zeit gibt es neben den virtuellen LaCitas noch die Typen LaCita, Trackable single, trackable multi und Nahfeld.

Der Typ LaCita ist der „normale ortsgebundene“. Dieses LaCita wird jedem zu jeder Zeit angezeigt und jeder kann es nur einmal scannen. Der Besitzer des LaCitas kann den Ort beliebig verschieben und die Beschreibung zum LaCita ändern.

Der Typ Trackable single ist das nicht ortsgebundene LaCita. Es wandert immer zu der Stelle, an dem es gescannt wurde. Jeder kann das Trackable nur einmal scannen. Typischerweise ist der QR-Code dazu an einem beweglichen Objekt angebracht. Auto Bus Bahn GC-Trackable usw.

Der Typ Trackable multi funktioniert wie der Trackable single mit der Ausnahme, das er mehrfach von jedem gescannt werden kann. Zur Zeit ist diese Funktion allerdings noch nicht implementiert, weil ich Zweifel habe, ob er sinnvoll ist.

Dann gibt es noch das Nahfeld-LaCita. Dieses LaCita wird Demjenigen angezeigt, der sich in unmittelbarer Nähe des LaCitas befindet (Radius ca. 30 Meter) alle anderen wissen nicht das das LaCita existiert. Hiermit kann man sehr schön Multi-Stationen-Aufgaben realisieren. Zum Beispiel in einem sichtbaren LaCita wird eine Aufgabe gestellt, die die Koordinaten oder auch die postalische Adresse des unsichtbaren Nahfeld-LaCitas ergeben. Man geht dann an diese Location und bekommt dann das Nahfeld-LaCita angezeigt in dem das weitere Vorgehen erklärt wird, wie er User zum nächsten Nahfeld-LaCita oder zum Ziel der Aufgabe kommt. Nahfeld-LaCitas müssen keinen ausgehängten QR-Code haben. Nur wenn man an den Stationen Punkte sammeln soll gibt es Sinn, den QR-Code am Nahfeld-Ort anzubringen.

Nahfeld-LaCitas kann man natürlich auch zufällig finden, was weitere Anwendungsmöglichkeiten ergibt. Hier ist wie in allen anderen Fällen die Kreativität der Anwender gefragt.

Ja und dann gibt es noch ein ganz besonderes LaCita. Jeder User hat nämlich ein „pIL“ (persönliches Identifikations LaCita) Sobald ein User seine Anmeldung bestätigt, bekommt er/sie ein eigenes unveränderliches LaCita zugeordnet. Es wird angezeigt, wenn er auf den Menüpunkt „LaCitas“ klickt. Dieses LaCita können andere User vom Bildschirm des Users scannen um somit „Freundschaft“ zu bekunden. Dies geht natürlich auch gegenseitig. Man muss sich auch hier in der Nähe des anderen Users befinden. Das hat zur Folge, das man sich wirklich begegnen muss um Freunschaft zu bekunden. Es reicht nicht sich den Code virtuell zuzuschicken.

Das pIL ist nicht ortsgebunden folgt immer dem User auf der Kartenansicht. Es wird als roter Punkt mit grauem Rand angezeigt, wenn man die Sichtbarkeit nicht explizit ausschaltet. Das pIL kann vom User an beliebiger Stelle auf der Karte „geparkt“ werden, wenn es nicht in Aktion ist. Das Tracking hört auf wenn man das Browserfenster mit der Landkarte verlässt. Im Gegensatz zu normalen Trackables wird beim pIL die Spur nicht aufgezeichnet. Wenn kein Tracking stattfindet kann der User sein pIL über die Edit-Funktion irgendwo auf der Karte verschieben. Dies bedeutet auch das nicht jeder User dort ist, wo er angezeigt wird. Damit kann man seinen tatsächlichen Aufenthalt verschleiern falls man das wünscht.

Wenn ich Ihr Projekt anschaue, sehe ich, dass es noch recht einfach aufgebaut ist. Das lässt mich darauf schließen, dass es noch in den Kinderschuhen steckt. Was kann der Nutzer also in Zukunft noch erwarten und wo sehen Sie momentan die größten Baustellen in Ihrem Projekt?

Nun ja, wenn man die reine Funktionalität betrachtet, übertrifft LaCita bereits jetzt die Konkurrenz um einiges an Möglichkeiten.

Die geplanten Funktionen werde ich in keinem Fall vorher Preis geben, um mir einen Vorsprung vor Nachahmern zu erarbeiten. Man kann allerdings selbst Vorschläge machen, die ich implementieren werde, falls das ins Konzept passt. Ich selbst habe aber bereits so viele Ideen, das man gespannt sein darf. Treue User werden möglicherweise durch Newsletter etwas vorher über Neuerungen informiert. Im Forum werde ich jede Neuerung zeitnah dokumentieren.

Das Vorbild „Geocaching.com“ macht deutlich, dass neben dem Spaß und der Freude am suchen der Dosen bzw. Lacitas auch einige Probleme entstehen können. Hierzu gehören z.B. das Betreten von privatem Boden oder auch die Abstandsregel. Wie wollen Sie mit solchen Problemen umgehen?

LaCita soll ein möglichst offenes und Regel freies System sein, solange dabei keine nationalen Rechte verletzt werden. Einen Grund für eine Abstandsregel sehe ich nicht. Sobald konkrete Probleme auftreten werde ich diese zur Diskussion stellen.

Nun noch etwas technisches. Lacita ist momentan nur Browserbasiert. Das hat einige Vorteile gegenüber Apps, wie sie z.B. Groundspeak oder Munzee anbieten. Ich kann Lacita z.B. auch auf meinem Bada-basierten Smartphone nutzen. Dennoch gibt es auch einige Nachteile gegenüber Apps. Wieso gehen Sie diesen Weg und wird es in Zukunft Apps für gängige mobile Betriebssysteme geben?

Ich gehe den Browserbasierten Weg, weil ich sehe, das die Apps immer schlechter werden je mehr Plattformen es gibt die unterstützt werden müssen und weil die Browser der unterschiedlichen Plattformen immer besser werden.

Ich möchte meinen Usern ersparen sich fast täglich neue fehlererneuerte Apps herunter laden zu müssen. Und ganz ehrlich ich habe nicht die Lust immer alle Funktionalitäten für alle Plattformen nach zu programmieren. Ich erhoffe mir dadurch wesentlich schneller zu sein als die Appbasierenden Systeme. LaCita ist bereits erfolgreich auf IOS, Android, Windows, Bada und Blackberry eingesetzt worden, ohne das ich dafür jeweils ein App pflegen muss. Außerdem läuft die gleiche Webseite auch auf PC- und MAC-Seiten.

Viele Geocacher schwören auf ihr Navigationsgerät. Handys werden aufgrund von Genauigkeit oftmals als „Schwachsinn“ abgetan. Wird es in Zukunft möglich sein, Lacita auch mit einem Navigationsgerät (z.B. via Pocket-Query) zu nutzen?

Über diese Frage mache ich mir Gedanken, wenn die Navigationsgeräte QR-Codes lesen können und einen Internetzugang haben… (können sie das schon?)

Grundsätzlich soll LaCita mit einer offenen Schnittstelle ausgerüstet sein, die App-Entwickler nutzen können. Ich warte da auf konkrete Anforderungen.

Die Inhalte der LaCita-Datenbanken betrachte ich als „open source“, soweit es sich um öffentlich zugängliche Daten handelt.

Wo sehen Sie das Projekt „Lacita“ in 2 Jahren?

Der User und seine Nutzung bestimmt ob das System angenommen wird. Im Moment ist es nicht mehr als einer der vielen Versuche im Web Fuß zu fassen. Die steigenden User-Zahlen machen mir Hoffnung.

Nun können Sie noch loswerden, was ich vergessen habe Sie zu fragen oder was Ihnen noch auf dem Herzen brennt.

Ich bin ein großer Freund von Kommunikation im Internet. Alle, die an LaCita Interesse haben, können sich gerne bei mir melden und mit mir diskutieren. Ich lege großen Wert auf Anregungen und konstruktive Kritik, damit LaCita ein Projekt seiner User wird.

Vielen Dank für das Interview. Ich würde mich freuen, wenn Sie auf dieser Seite ab und zu vorbeischauen um evtl. Leserfragen zu beantworten.

Der Dank liegt ganz auf meiner Seite!

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2 Kommentare zu “Interview zu Lacita”

  1. [...] vom letzten Podcast – Lacita Entwickler Interview – [...]

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